Im Oktober 2011 fuhr ich zum Finale des deutsch-französischen Chanson- und Liedermacherpreises „Die Sulzbacher Salzmühle“ nach Sulzbach an der Saar. Knapp 100 Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Österreich und der Schweiz hatten sich beworben, fünf standen am Ende im Finale. Hauptpreis für deutsche Interpretation, Publikumspreis und Sonderpreis für das beste „Salzlied“ Die Sulzbacher Salzmühle 2011 Mit gleich drei Preisen durfte ich an diesem Abend nach Hause fahren: dem Hauptpreis der Jury für die deutsche Interpretation, dem Publikumspreis und dem Sonderpreis für das beste „Salzlied“. Den Preis für die französische Interpretation gewann Gilles Maire. Jurypräsidentin Sylvie Hamard hob bei uns beiden die textliche Qualität und die szenische Energie hervor. Es war ein besonderer Herbst: Nur drei Wochen zuvor, am 3. Oktober 2011, hatten Sandra Kreisler und ich mit Wortfront den hessischen Kleinkunstpreis „Herborner Schlumpeweck“ gleich zweimal gewonnen, den Jury- und den Publikumspreis. Und ein gutes Jahr davor war die…
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Im September 2011 spielte ich im Zentralgasthof Weinböhla, und die Sächsische Zeitung war dabei. Den Weg ins Dresdner Umland hatte mir ein Jahr zuvor die Meißner Drossel geebnet, wie die Zeitung selbst schrieb. „Platz für reine und unverfälschte Poesie“ W. Zimmermann, Sächsische Zeitung, 13. September 2011 Die Kritik beschrieb einen „wunderbar wachen“ Abend, an dem es um die großen Themen der Menschheit ebenso ging wie um die Konflikte im Zwischenmenschlichen. Besonders freute mich, dass auch meine „grundehrlichen Zwischenansagen“ Erwähnung fanden, etwa darüber, warum ich mir damals ausgerechnet in Berlin-Kreuzberg eine Wohnung gesucht hatte: Die Themen für viele Lieder lagen dort sozusagen auf der Straße. Und ein Lied aus jenem Abend begleitet mich bis heute: „Es gibt so vieles, was man sollte, und so wenig, was man will“. Dem Zentralgasthof Weinböhla bin ich übrigens treu geblieben, ich spiele dort bis heute immer wieder gern. Der Artikel aus der Sächsischen Zeitung vom…
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Ein Blick zurück ins Jahr 2010: Im Mai durfte ich in Meißen die „Meißner Drossel“ entgegennehmen, den Preis eines Nachwuchswettbewerbs zur Förderung des deutschen Liedes. Der Sächsische Bote hat damals darüber berichtet, unter der schönen Überschrift „Mit einem Augenzwinkern“. „Mit einem Augenzwinkern“ Sächsischer Bote, 12. Mai 2010 Beim konzertanten Finale im Soziokulturellen Zentrum „Hafenstraße“ e.V. habe ich am Klavier „Wenn ich mal Rentner bin“ gesungen, laut Zeitung ein „düsteres, aber dennoch augenzwinkernd-humorvolles Bild“ vom Leben im Rentenalter. Offenbar hat es Publikum und Jury gleichermaßen überzeugt. Die „Drossel“ habe ich dann bei einer festlichen Gala im Welcome Hotel Meißen aus den Händen der Patin Barbara Thalheim bekommen. Ein großer Dank auch an Peter Braukmann, der den Wettbewerb organisiert hat. Und das Schönste: „Wenn ich mal Rentner bin“ begleitet mich bis heute. Erst kürzlich habe ich damit wieder einen Abend beendet, im Glashaus Derneburg, auf Wunsch des Publikums, das „unseriös“ wollte. Der…
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Anfang 2010 erschien unser zweites Wortfront-Album „Freilandherz“. Aus diesem Anlass hat Deutschlandfunk Kultur am 1. Februar 2010 ein Porträt über Sandra Kreisler und mich gebracht: „Streiter an der ‚Wortfront‘“ von Mascha Drost. Getroffen hat sie uns in der Garderobe der Berliner Bar jeder Vernunft, eine halbe Stunde vor dem Auftritt. „Ausgefeilte Texte in Hip-Hop-Manier dazu ein bisschen Chanson, etwas Kabarett – ‚Wortfront‘ passt in keine Schublade.“ Mascha Drost, Deutschlandfunk Kultur, 1. Februar 2010 Der Beitrag erinnert an den Erfolg unseres ersten Albums „Lieder eines postmodernen Arschlochs“ und stellt Sandra als Tochter von Georg Kreisler vor. Mich beschreibt Mascha Drost als Komponisten und Texter von Wortfront, „seit Jahren im Kampf mit der deutschen Sprache“. Ich durfte erzählen, was mich daran reizt: „Lyrik und Streichinstrumente und das in Verbindung mit guten Beats – das ist mein Ding.“ Roger Stein bei Mascha Drost, Deutschlandfunk Kultur, 1. Februar 2010 „Das Deutsche neigt zu sehr…
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Am Donnerstag, 25. Juni 2009, war ich mit Sandra Kreisler und unserer Band Wortfront und dem Programm „Von vorn mit Anlauf“ im Kleinen Theater in Haar bei München zu Gast – in großer Besetzung mit Anna Eichholz an der Geige, Ulrich Maiss am Cello und Paolo Eleodori am Schlagzeug. Roswitha Grosse schrieb über unseren Auftritt in der Süddeutschen Zeitung: „Starke Nummern – Ensemble ‚Wortfront‘ glänzt im Kleinen Theater“. Sie stellt uns als Sandra und „ihren Lebenspartner, den Schweizer Autor und Musiker Roger Stein“ vor – „die bühnenetablierte Diseuse mit amerikanischem Pass und der Mann am Flügel“. Und 1995 hatte schon Georg Kreisler zusammen mit Barbara Peters das Publikum im Kleinen Theater begeistert. Unseren Abend nennt sie „einen betörenden Mix aus Hip Hop, Literatur, Chanson und Kabarett, der sich wohltuend vom gängigen Mainstream abhebt“. „Musikalisch und auch textlich waren das starke Nummern, die Musiker und Sängerin in Haar auf die Bühne…
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Im April 2007 besprach Hans-Jürgen Linke in der Frankfurter Rundschau (Nr. 85, 12. April 2007) mein Buch „Das deutsche Dirnenlied. Literarisches Kabarett von Bruant bis Brecht“ – auf der Kulturseite „Finale“ in der Rubrik „Altes Werk – neu gesehen“, unter dem Titel „Über den Mut der Bohème“ und mit der Unterzeile „Roger Steins gelehrte Bestandsaufnahme über Geschichte und Form des Dirnenliedes“. Die Rezension begann dort, wo das Dirnenlied entstand: im Paris des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts, bei Aristide Bruant, Toulouse-Lautrec und der Montmartre-Bohème. Als literarische Gattung habe das Dirnenlied keine Vorläufer – abgesehen von motivischen Berührungspunkten, die sich bis François Villon zurückverfolgen lassen. Es sei „ein originäres Produkt der entwickelten bürgerlichen Gesellschaft“ und eine Thematisierung ihrer Schattenseiten. Nachdem den wissenschaftlichen Pflichten – Gattungsbegriff, Forschungsstand, Kabarett-Definition – Genüge getan sei, werde es „recht interessant“: In einem „sehr lesenswerten Abschnitt“ gelinge mir der Versuch, Formen und Inhalte der Dirnenlieder mit der…
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Im Januar 2007 porträtierte „Das Magazin“, die Wochenendbeilage des Tages-Anzeigers, Schweizer Autoren in Berlin – neben Thomas Hürlimann, Matthias Zschokke und Silvio Huonder auch mich. Die grosse Geschichte „Schweizer in Berlin“ von Franziska Ramser (Fotos: Susanne Schleyer) erschien in der Rubrik „Karrieren“ und trug die Unterzeile: „Geldnot, Liebeskummer und die Enge des Heimatlands haben Schweizer Schriftsteller nach Berlin getrieben. Gegen die Stadt haben die Dichter viele Einwände: Meinungslosigkeit, Gestank, Wichtigtuerei, billige Architektur. Dennoch bleiben die Autoren gern hier – warum nur?“ Der Artikel stellte uns in eine lange Tradition: Schon Gottfried Keller und Robert Walser hatten ihre Schriftsteller-Existenz in Berlin begründet – Walser, der hier in der „unaufhörlich atmenden Brust des grossstädtischen Lebens“ zum Dichter wurde und seinen „Hang zur schönen, edlen Faulpelzerei“ erst im rauen deutschen Wind losgeworden sei. Zitiert wurde auch Paul Nizon, der 1969 urteilte, die Schweiz könne einen Künstler „nicht gross machen“, und nach Paris emigrierte.…
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Nur drei Tage nach dem Artikel „Liederlich“ erschien auch in der ZEIT eine grosse Geschichte über mich und mein Buch „Das deutsche Dirnenlied. Literarisches Kabarett von Bruant bis Brecht“: „Gesang im Bordell“ – im Ressort Wissen der Ausgabe Nr. 50 vom 7. Dezember 2006. Die Unterzeile: „Der Musikwissenschaftler und Sänger Roger Stein widmet seine Forschung den Chansons von käuflicher Liebe“. Geschrieben hat ihn wieder Kai Michel. Wir zogen durch Wien: vom kleinen Bordell am Gürtel über den Spittelberg zum Stephansdom und in die Broadway Piano Bar, wo ich oft bin, wenn ich in Wien bin – „vermutlich der einzige Ort, wo sich Billy Joel ans Klavier setzen kann, und keiner hört zu“. Der Besitzer, Béla Korény, ist selbst Komponist und spielt wunderbar Klavier. Dort erzählte ich, wie ich bei einer Seminararbeit auf das Dirnenlied gestossen war – und erstaunt feststellte, dass die einschlägigen Lexika vom Soldaten- bis zum Handwerkerlied alles…
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Im Dezember 2006 erschien über mich eine Doppelseite im Ressort „Wissen“ unter der Rubrik „Rotlicht“: „Liederlich“ – mit der Unterzeile „So sexy kann eine Doktorarbeit sein: Der Schweizer Theaterwissenschaftler Roger Stein hat Dirnenlieder untersucht.“ Anlass war mein Buch „Das deutsche Dirnenlied. Literarisches Kabarett von Bruant bis Brecht“, das bei Böhlau erschienen war. Geschrieben hat den Artikel Kai Michel. Das Fotoshooting fand – die Idee des Fotografen – in einem kleinen Bordell am Wiener Gürtel statt. „Wo soll man einen Dirnenliedforscher auch anders porträtieren als im Puff?“, fragte der Artikel. Die beiden Frauen dort nickten und betrachteten den Einband mit der nackten Dame. „Es geht um Lieder von Brecht, Wedekind und Tucholsky“, erklärte ich ihnen. Feldforschung musste ich übrigens keine betreiben. „Das Dirnenlied ist ein gutes Beispiel, wie die Kunst gesellschaftliche Entwicklungen vorwegnimmt.“ Roger Stein in „Liederlich“, 4. Dezember 2006 Weiter ging es am Stephansdom vorbei in die Broadway Piano Bar…
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Am 4. Mai 2005 um 19.30 Uhr trat ich bei der Eröffnungsveranstaltung des Filmkunstfests Schwerin im Kino Capitol auf. Das Festivalprogramm stellte mich in der Rubrik „Musik“ mit einem ganzseitigen Porträt vor. Darin zeichnete das Programmheft meinen Weg nach: die klassische Klavierausbildung, das Gesangsstudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien, meine Promotion über „Das deutsche Dirnenlied im literarischen Kabarett von 1901 bis 1933“ und Stationen wie Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“ (Junge Oper Wien), die musikalische Leitung von „Villa Valium“ im Wiener Metropol und „Alma Mahler“ bei den Festwochen (Regie: Paulus Manker). „Roger Stein hat musikalisch bereits einen vielseitigen Weg zurückgelegt, der ihn […] schliesslich zum Sprechgesang führte, dem seine grosse Liebe gilt.“ Programm Filmkunstfest Schwerin, Mai 2005 Hervorgehoben wurden meine drei Liederzyklen „Lieder eines Postmodernen Arschlochs“, „Leben aus der Dose“ und „Elementare Lieder“ – und der „Jelinek-Song“, der kurz zuvor in den österreichischen Medien für ziemliche…