Am Donnerstag, 25. Juni 2009, war ich mit Sandra Kreisler und unserer Band Wortfront und dem Programm „Von vorn mit Anlauf“ im Kleinen Theater in Haar bei München zu Gast – in großer Besetzung mit Anna Eichholz an der Geige, Ulrich Maiss am Cello und Paolo Eleodori am Schlagzeug. Roswitha Grosse schrieb über unseren Auftritt in der Süddeutschen Zeitung: „Starke Nummern – Ensemble ‚Wortfront‘ glänzt im Kleinen Theater“. Sie stellt uns als Sandra und „ihren Lebenspartner, den Schweizer Autor und Musiker Roger Stein“ vor – „die bühnenetablierte Diseuse mit amerikanischem Pass und der Mann am Flügel“. Und 1995 hatte schon Georg Kreisler zusammen mit Barbara Peters das Publikum im Kleinen Theater begeistert. Unseren Abend nennt sie „einen betörenden Mix aus Hip Hop, Literatur, Chanson und Kabarett, der sich wohltuend vom gängigen Mainstream abhebt“. „Musikalisch und auch textlich waren das starke Nummern, die Musiker und Sängerin in Haar auf die Bühne…
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Im April 2007 besprach Hans-Jürgen Linke in der Frankfurter Rundschau (Nr. 85, 12. April 2007) mein Buch „Das deutsche Dirnenlied. Literarisches Kabarett von Bruant bis Brecht“ – auf der Kulturseite „Finale“ in der Rubrik „Altes Werk – neu gesehen“, unter dem Titel „Über den Mut der Bohème“ und mit der Unterzeile „Roger Steins gelehrte Bestandsaufnahme über Geschichte und Form des Dirnenliedes“. Die Rezension begann dort, wo das Dirnenlied entstand: im Paris des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts, bei Aristide Bruant, Toulouse-Lautrec und der Montmartre-Bohème. Als literarische Gattung habe das Dirnenlied keine Vorläufer – abgesehen von motivischen Berührungspunkten, die sich bis François Villon zurückverfolgen lassen. Es sei „ein originäres Produkt der entwickelten bürgerlichen Gesellschaft“ und eine Thematisierung ihrer Schattenseiten. Nachdem den wissenschaftlichen Pflichten – Gattungsbegriff, Forschungsstand, Kabarett-Definition – Genüge getan sei, werde es „recht interessant“: In einem „sehr lesenswerten Abschnitt“ gelinge mir der Versuch, Formen und Inhalte der Dirnenlieder mit der…
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Im Januar 2007 porträtierte „Das Magazin“, die Wochenendbeilage des Tages-Anzeigers, Schweizer Autoren in Berlin – neben Thomas Hürlimann, Matthias Zschokke und Silvio Huonder auch mich. Die grosse Geschichte „Schweizer in Berlin“ von Franziska Ramser (Fotos: Susanne Schleyer) erschien in der Rubrik „Karrieren“ und trug die Unterzeile: „Geldnot, Liebeskummer und die Enge des Heimatlands haben Schweizer Schriftsteller nach Berlin getrieben. Gegen die Stadt haben die Dichter viele Einwände: Meinungslosigkeit, Gestank, Wichtigtuerei, billige Architektur. Dennoch bleiben die Autoren gern hier – warum nur?“ Der Artikel stellte uns in eine lange Tradition: Schon Gottfried Keller und Robert Walser hatten ihre Schriftsteller-Existenz in Berlin begründet – Walser, der hier in der „unaufhörlich atmenden Brust des grossstädtischen Lebens“ zum Dichter wurde und seinen „Hang zur schönen, edlen Faulpelzerei“ erst im rauen deutschen Wind losgeworden sei. Zitiert wurde auch Paul Nizon, der 1969 urteilte, die Schweiz könne einen Künstler „nicht gross machen“, und nach Paris emigrierte.…
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Nur drei Tage nach dem Artikel „Liederlich“ erschien auch in der ZEIT eine grosse Geschichte über mich und mein Buch „Das deutsche Dirnenlied. Literarisches Kabarett von Bruant bis Brecht“: „Gesang im Bordell“ – im Ressort Wissen der Ausgabe Nr. 50 vom 7. Dezember 2006. Die Unterzeile: „Der Musikwissenschaftler und Sänger Roger Stein widmet seine Forschung den Chansons von käuflicher Liebe“. Geschrieben hat ihn wieder Kai Michel. Wir zogen durch Wien: vom kleinen Bordell am Gürtel über den Spittelberg zum Stephansdom und in die Broadway Piano Bar, wo ich oft bin, wenn ich in Wien bin – „vermutlich der einzige Ort, wo sich Billy Joel ans Klavier setzen kann, und keiner hört zu“. Der Besitzer, Béla Korény, ist selbst Komponist und spielt wunderbar Klavier. Dort erzählte ich, wie ich bei einer Seminararbeit auf das Dirnenlied gestossen war – und erstaunt feststellte, dass die einschlägigen Lexika vom Soldaten- bis zum Handwerkerlied alles…
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Im Dezember 2006 erschien über mich eine Doppelseite im Ressort „Wissen“ unter der Rubrik „Rotlicht“: „Liederlich“ – mit der Unterzeile „So sexy kann eine Doktorarbeit sein: Der Schweizer Theaterwissenschaftler Roger Stein hat Dirnenlieder untersucht.“ Anlass war mein Buch „Das deutsche Dirnenlied. Literarisches Kabarett von Bruant bis Brecht“, das bei Böhlau erschienen war. Geschrieben hat den Artikel Kai Michel. Das Fotoshooting fand – die Idee des Fotografen – in einem kleinen Bordell am Wiener Gürtel statt. „Wo soll man einen Dirnenliedforscher auch anders porträtieren als im Puff?“, fragte der Artikel. Die beiden Frauen dort nickten und betrachteten den Einband mit der nackten Dame. „Es geht um Lieder von Brecht, Wedekind und Tucholsky“, erklärte ich ihnen. Feldforschung musste ich übrigens keine betreiben. „Das Dirnenlied ist ein gutes Beispiel, wie die Kunst gesellschaftliche Entwicklungen vorwegnimmt.“ Roger Stein in „Liederlich“, 4. Dezember 2006 Weiter ging es am Stephansdom vorbei in die Broadway Piano Bar…
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Am 4. Mai 2005 um 19.30 Uhr trat ich bei der Eröffnungsveranstaltung des Filmkunstfests Schwerin im Kino Capitol auf. Das Festivalprogramm stellte mich in der Rubrik „Musik“ mit einem ganzseitigen Porträt vor. Darin zeichnete das Programmheft meinen Weg nach: die klassische Klavierausbildung, das Gesangsstudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien, meine Promotion über „Das deutsche Dirnenlied im literarischen Kabarett von 1901 bis 1933“ und Stationen wie Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“ (Junge Oper Wien), die musikalische Leitung von „Villa Valium“ im Wiener Metropol und „Alma Mahler“ bei den Festwochen (Regie: Paulus Manker). „Roger Stein hat musikalisch bereits einen vielseitigen Weg zurückgelegt, der ihn […] schliesslich zum Sprechgesang führte, dem seine grosse Liebe gilt.“ Programm Filmkunstfest Schwerin, Mai 2005 Hervorgehoben wurden meine drei Liederzyklen „Lieder eines Postmodernen Arschlochs“, „Leben aus der Dose“ und „Elementare Lieder“ – und der „Jelinek-Song“, der kurz zuvor in den österreichischen Medien für ziemliche…
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Im Dezember 2004, wenige Wochen nachdem Elfriede Jelinek den Literaturnobelpreis erhalten hatte, schrieb ich den Soundtrack für die Ausstellung „Update“ im Wiener Künstlerhaus (Jänner 2005) – und widmete mich darin mit dem „Jelinek-Song“ („Elfriede, du bist jetzt uns!“) der plötzlichen Vereinnahmung der Autorin durch Österreich. Der Standard berichtete darüber am 28. Dezember 2004 unter dem Titel „Das Rap-Couplet vom Totknutschen“. „Sehr österreichischer Wesenszug.“ Roger Stein im Standard, 28. Dezember 2004 Der Jelinek ihre Vereinnahmung vorzuwerfen, entspräche dem „Schlagt den Boten“-Prinzip, sagte ich damals. Typisch österreichisch sei vielmehr die Eigenschaft, große Geister zu diffamieren, bis man sie totknutschen könne. Dass ausgerechnet ein Chansonnier dazu rappte, war für mich kein Stilbruch: „HipHop ist die Weiterentwicklung des Chansons.“ Wenn Aristide Bruant 1890 sein Publikum „Dreckärsche und fette Säcke“ nannte, sei das von Eminems „Bitches and Gentlemen“ gar nicht so weit entfernt. Der Artikel aus dem Standard vom 28. Dezember 2004 als PDF (Foto:…